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Im Kleinsten ist GOTT am Größten Impuls zum Weihnachtsfest 2016 von Br. Siegbert Mayer OFMcap Wenn wir uns in der Heiligen Nacht, vielleicht mehr als sonst das Jahr über, vom Geheimnis Gottes anrühren lassen, dann ist die Frage berechtigt: Was lernen wir denn in der Feier der Weihnacht von GOTT? Und eng damit zusammenhängend: Was lernen wir über den Menschen? Es geht da, so sagt es der Apostel Paulus im Brief an Titus, um „das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus“  (Tit 2,13). Auch die Scharen der Engel preisen bei den Hirten auf dem Feld von Betlehem Gottes Herrlichkeit und Größe und Macht. Ja, aber wie äußert sich denn diese Größe und Macht wirklich? Wie zeigt sich Gottes Herrlichkeit? In einem Kind, das in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe liegt. Gleich zweimal hintereinander wird es im Text des Evangeliums gesagt, damit es niemand überhört: GOTT, ein Windelkind! Nicht ein Wunderkind, sondern ein Erdenkind! Lässt sich ein größerer Gegensatz denken!? Der Allmächtige geht ein in die Hilflosigkeit und in die Hilfsbedürftigkeit. Der Unbegrenzte geht ein in die engen Grenzen eines Menschenlebens. Das Faszinierende und vor allem auch Provozierende daran ist das GOTT gerade dadurch der immer Größere ist, indem er sich zum immer noch Kleineren macht. Denn die Krippe, die neassen Windeln, das ist ja erst der Anfang. Das Ganze endet in der Ohnmacht am Kreuz auf Golgotha. GOTT wird der Schwache und ist gerade so der Starke. Er wird der Sterbende und ist gerade so der Lebendige, der Auferstanden. So verkünden ihn die Engel den Hirten: „Euch ist heute der Retter geboren, er ist der MESSIAS, der HERR“  (Lk 2,11). Solches kann wahrlich nur in der Vorausschau auf Ostern verkündet werden: Dass dieses Kind in der Krippe der HERR des Weltalls ist, der Himmel und Erde verbindet, und für uns Menschen den Himmel geöffnet hat, so dass wir sagen können: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis...“. Vielleicht können wir es begreifen, dass der heilige Franziskus von Assisi ganz trunken war vor lauter Weihnachtsfreude. Er hat damals im Wald von Greccio angefangen auf ganz neuartige Weise Weihnachten zu feiern mit einer richtigen Futterkrippe, gefüllt mit Heu und Stroh, und mit einem lebendigen Ochsen und einem Esel. Denn er will mit leiblichen Augen sehen und mit eigenen Händen greifen, wie menschlich klein, wie zerbrechlich und demütig GOTT ist. Er nennt Weihnachten das Fest der Feste, an dem GOTT an menschlichen Brüsten liegt. Er sagt dies gerade auch im Gegensatz zu jenen Gruppierungen in der Christenheit damals, die sich als „die Reinen“ bezeichneten, und für die alles Materielle  – die Welt und die sichtbare Kirche mit Priestertum und Sakramenten – nur schlecht und verachtenswert war. Aber in der Weihnacht sagt GOTT gerade zu dieser Welt, zu den Menschen dieser Welt: Ja, ich liebe dich, du Welt und du Mensch! Das ist nicht einfach Gefühlsüberschwang bei Franziskus, sondern das ist sein Glaube an den GOTT, der alle Wege des Menschseins kennt und mitgeht; sie alle durchwacht! Weil GOTT eben nicht nur „auf Durchreise“ in dieser Welt irgendwann einmal war, sondern weil er wirklich „,umgezogen“ ist in unser Fleisch. Der große Theologe des vergangenen Jahrhunderts, Karl Rahner, kann so zu Recht von unserem Menschsein als einem ,,erfüllten Abgrund" sprechen, seit GOTT einem jeden Menschen durch die Geburt des Gottessohnes in Jesus Christus sagt: „Ich bin da, ich bin bei dir. Ich bin deine Zeit. Ich bin die Düsterkeit deines Alltags, warum willst du sie nicht tragen? Ich weine deine Tränen, mein Kind. Ich bin die Ausweglosigkeit deiner Wege. ... Ich bin in deiner Angst, denn ich habe sie erlitten. Ich bin in deinen tiefsten Abstürzen, denn ich habe heute angefangen, abzusteigen zu der Hölle. Ich bin in deinem Tod, denn heute begann ich mit dir zu sterben, da ich geboren wurde, – und ich habe mir von diesen Tod wahrhaftig nichts schenken lassen. Ich habe mich selbst, wirklich ganz selbst und ganz persönlich, auf ein fürchterliches Abenteuer eingelassen, das mit eurer Geburt beginnt. Ich versichere euch, es hat einen seligen Ausgang ... ". {K. Rahner, Kleines Kirchenjahr, Freiburg 1981 Was lernen wir von GOTT, der größer nicht mehr gedacht werden kann? Der Mensch braucht keine Angst haben vor dem großen GOTT. Das Kind in der Krippe nimmt alle Angst, selbst die Angst vor dem Tod und im Tod. Und was lernen wir an Weihnachten über den Menschen? GOTT macht in der Menschwerdung seines Sohnes den Menschen groß; er macht sich uns verwandt. Seit der Nacht von Betlehem trägt GOTT ein Menschengesicht und trägt von nun an unser aller, auch des Geringsten Züge. Welche Herausforderung für uns! Was für eine Provokation, dass von nun an Gottes Menschenfreundlichkeit durch unser freundliches Gesicht ausgestrahlt, durch unsere gebenden Herzen und Hände verschenkt werden darf. Übersehen wir aber auch nicht den Ernst der Lage, dass durch unser Verschlossensein wir Gottes Menschenfreundlichkeit blockieren und aufhalten können. In der Heiligen Nacht von Betlehem ist Gottes Tag angebrochen. Er ist so hell, dass nicht nur GOTT in uns Menschen seine geliebten Kinder erkannt hat, sondern dass auch die Hirten und die Weisen aus dem Morgenland im Kind in der Krippe GOTT erkennen, der in JESUS unser Menschenbruder geworden ist. So segne Euch GOTT mit dem Licht seiner Liebe. Er segne Euch mit der Tiefe des Friedens, den nur er schenken kann, zur Feier der Weihnacht und für jeden Tag des Jahres 2017. Euer Bruder Siegbert
Geburt Christi, Glasfenster, Kirche in Greccio (Foto: © Raymund Fobes)