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JESUS, als barmherziger Samariter, unser Allernächster Impuls zum Barmherzigkeitsjahr von Br. Siegbert Mayer OFMcap Eines der einprägsamsten „Barmherzigkeits- Evangelien“, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (LK 10,25-32), trifft alle drei Jahre zum 15. Sonntag im Jahreskreis. Dies war heuer der 10. Juli. Ich hatte in Altötting im Klaraheim, einer großen Alten- und Pflegeeinrichtung, den Sonntagsgottesdienst zu feiern. Nun ist bei diesem Evangelium vom barmherzigen Samariter Jesu Schlussappell, den er an den fragenden Gesetzeslehrer richtet, nicht zu überlesen und nicht zu überhören. Jesus sagt ihm und zugleich allen, die diese Gleichnisgeschichte hören : „Dann geh und handle genauso!“ Man kann es ja nicht oft genug sagen: Die Bibel ist „gleichzeitig“. Und nicht nur für „jene Zeit“.  Was berichtet wird geschieht jetzt, heute, morgen, immer, überall. Auf unser Gleichnis bezogen heißt das: Wir sind unter die Räuber gefallen – unter sichtbare und unsichtbare. So brauchen wir alle einen „Nächsten“, der sich unser annimmt. Der Nächste muss Zeit haben, muss wissen, wo's fehlt. Er darf Öl und Wein nicht vergessen und muss ein Lasttier, einen Esel, mitbringen. wenn er keinen hat, muss er selber der „Esel“ sein …" Die Straße nach Jericho führt durch diese Welt, so wie wir sie heute erleben, wie wir sie wahrnehmen übers Fernsehen, gerade auch mit all den schrecklichen Bildern, wo unzählige Menschen von Räuberbanden weltweit ausgeplündert und halbtot liegen gelassen werden. Wenn so viel Not und Elend einen wahrlich nicht gleichgültig lassen kann und darf, so kann der Appell Jesu, es dem barmherzigen Samariter gleich zu tun, in bestimmten Lebenssituationen nicht mehr greifen. Meine Zuhörer beim Gottesdienst im Klaraheim waren fast allesamt unübersehbar von ganz hoher Altersgebrechlichkeit gezeichnet; erst recht jene, zu denen ich hernach die Kommunion ins Zimmer brachte. Diesen Hörern des Evangeliums zu sagen ,„Geh und handle genauso, wäre mehr als deplatziert. Ohne Worte haben sie mir gleichsam zugerufen: „ Wir brauchen selbst einen barmherzigen Samariter; deswegen sind wir ja hier im Heim. Aber beten könnt ihr doch noch, sagte ich ihnen, und könnt so all den Jammer der Menschen vor Gott tragen, und bei diesem Beten schauen wir ganz bewusst auf JESUS und lassen uns in die verborgene Tiefe seines Gleichnisses führen. Bis in die Wortwahl hinein dürfen wir erspüren, dass JESUS im barmherzigen Samariter ein Bild zeichnet von seinem erlösenden Kommen in die Welt und von seinem heilenden Tun an der Menschen: ER ist vom Himmel herabgestiegen, um uns in unserem wirklichen Menschsein in allem – auch in unserer Gebrechlichkeit und Sterblichkeit – anzunehmen. ER sieht uns, die wir durch die Räuber, Sünde und Tod, ausgeraubt werden, und schaut nicht weg, wie Priester und Levit im Gleichnis. ER kümmert sich um uns und gießt Öl und Wein in unsere Wunden. Das ist ein verborgener Hinweis auf die Sakramente der Taufe, wo ER uns mit dem Öl der Gotteskindschaft gesalbt hat. Und auch bei der Krankensalbung ist das Öl sein Zeichen, dass wir durch sein Mit-uns-sein in Schwäche und Krankheit diese Lebensphase als Aufgabe annehmen und bewältigen können. Schließlich gießt ER Wein in unsere Wunden und verweist uns auf die Kraft der Eucharistie, wo ER im Wein sein Blut gibt zur Vergebung der Sünden. JESUS, der Gleichniserzähler, wird selbst zum lebendigen Gleichnis der LIEBE GOTTES. Diese barmherzige Liebe hilft dem gefallenen, am Boden liegenden Menschen wieder auf die Beine. Ja, sie hebt ihn auf sein Lasttier, Iädt ihn sich letztlich selbst auf die Schultern, um ihn über Golgotha hinüber zu tragen in die Herberge des ewigen Lebens. Liebe Schwestern und Brüder, gerade weil ich weiß, dass viele von Euch an altersbedingten Einschränkungen und Gebrechlichkeiten und mancherlei Krankheiten zu leiden haben, ist mir diese Sicht auf die etwas verborgene Botschaft des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter, wo JESUS unser „Allernächster“ ist, so frohmachend. Mögt Ihr es immer wieder beglückend erfahren, dass die ,,Straße nach Jericho" mitten durch Euer Zuhause, mitten auch durch Euer Krankenzimmer führt. Einen umfassenden Frieden und alles Heil für Leib und Seele wünscht Euch,  im Gebet verbunden, Euer Bruder Siegbert
Franziskus begegnet dem Aussätzigen Darstellung im Franziskanerkloster auf dem La Verna, Toskana (Bild: © Raymund Fobes)