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lch glaube an den Heiligen Geist.

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.

Impuls zu Pfingsten 2016 von Br. Siegbert Mayer OFMcap Ein junger Freund, den ich länger nicht mehr gesehen hatte, gestand mir auf mein Nachfragen, wie es ihm ginge, freudestrahlend: „Ich stecke in einer neuen Beziehungskiste!“ Ich musste lachen über diesen von mir bis dahin noch nie gehörten Ausdruck „Beziehungskiste“ und ahnte gleichzeitig, was er damit ausdrücken wollte. Als ich ihn zum letzten Mal gesehen hatte, war er sehr geknickt, da die Beziehung zu seiner Freundin gerade zerbrochen war. Es ging ihm damals wirklich schlecht. Und jetzt freudig: „Ich bin in einer neuen Beziehungskiste“ „Beziehungskiste“ - ein Wort für eine menschlich liebende Verbundenheit!? Das Wort will mir nicht aus dem Kopf gehen. Zwei Menschen, die sich lieben, in einer Kiste, frage ich mich. Zwei Menschen, die sich gegenseitig bejahen und annehmen, in einer Kiste? Freundschaft, Partnerschaft – eine Beziehungskiste? Hat man früher nicht Kindern gedroht, sie in eine Kiste zu sperren, wenn sie nicht brav waren? Da und dort nannten Zöglinge ihr Internat, in dem sie ihre Schulzeit verbrachten oder auf Geheiß ihrer Eltern hatten verbringen müssen: Kiste oder Kasten. Einen Menschen in eine Kiste stecken, das verbinde ich mit Enge, Angst, keine Luft kriegen, eingesperrt sein. Und das soll nun ein Bild sein für personale Beziehung? Kleider, die man nicht mehr braucht, steckt man in eine Kiste, Kartoffeln, alten Kram – aber Menschen?! Ich bleibe dabei: Beziehungskiste kann nicht das richtige Wort sein, wenn auch der Freund es mir als Freudenbotschaft mitteilte. Aber könnte uns dieses eigenartige Wort nicht eine Verbindung finden lassen zum Thema: ,,Ich glaube an den Heiligen Geist: GOTTES LIEBE ist ausgegossen in unsere Herzen“? Ja, der Heilige Geist ist GOTTES ausgegossene Liebe. GOTT, der DIE LIEBE ist laut biblischer Offenbarung lässt sich nichts Zutreffenderes und Umfassenderes über GOTT sagen - dieser GOTT hält es sozusagen in seiner Liebe nicht aus bei sich. ER muss sich ausgießen, verströmen. ER will seine Liebe, eben sich selbst verschenken durch seiner Geist. ER verschenkt sich an die Menschheit in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus. So bekennt es das christliche Glaubensbekenntnis: "Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria". Diese Liebe, die GOTT ist, ist nicht untergangen mit dem Tod Jesu am Kreuz, sondern hat sich stärker erwiesen als der Tod. Im sog. Großen Glaubensbekenntnis (Gotteslob Nr. 586,2) heißt es ja ausdrücklich: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der lebendig macht“. So kann JESUS, als der Auferstandene als der lebendig gemachte hinter die verschlossenen Türen seiner verängstigten Jünger kommen und sie anhauchen:  „Empfangt den Heiligen Geist“. Was doch so viel heißt: Mein Leben soll nun euer Leben sein; mein Geist wird ausgegossen in eure Herzen! Das gilt nicht nur in jener Zeit vor 2000 Jahren, das gilt durch alle Zeiten: Denn, „seht, ich bin mit euch durch das All der Tage bis zum Voll-Ende der Weltzeit (Mt 28,20). JESUS verflüchtigt sich nicht in der vergehenden Geschichte. ER ist lebendig da zu allen Zeiten, an allen Orten, für alle Menschen durch den Heiligen Geist. Verstehen wir, warum die Kirche nie aufhören wird zu rufen und voll Inbrunst zu singen: KOMM Heiliger GEIST! Kehren wir zurück zu unserem Aufhänger „Beziehungskiste". Steckt hinter diesem merkwürdigen Wort nicht doch ein Stück Wahrheit, eine Portion menschlicher Erfahrung, ein Deutungsmuster des Lebens? Ist nicht jede(r) in irgendeiner Weise eingesperrt in diese Kiste des eigenen ICH?I Und erfahren wir den anderen (auch den geliebten) Menschen bisweilen nicht wie eine „Kiste“, die einen einschließt, einigelt? Und das Leben mit seinen Anforderungen, Verpflichtungen und Appellen.... fühlt man sich da nicht auch eingeengt, umgeben wie von den Brettern einer Kiste, die sich von innen nicht öffnen lässt? Was tut der heutige Mensch nicht alles, um sich aus all dem zu befreien?! Magie, Zauberei, Horoskop, Wiedergeburt – die Palette der Esoterik ist ins Unermessliche angewachsen. Irgendwo muss die ,,Kiste", muss das Leben doch ein Loch haben, durch das wir schauen, durch das wir hindurch schlüpfen können hinein ins eigentliche, end-gültige, unbegrenzte Leben. Sind das nicht unsere Sehnsüchte, unsere Hoffnungen?! Und genau da hinein bekennen wir: ,,Wir glauben an den Heiligen Geist, der HERR ist und lebendig macht". Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt, heißt es im biblischen Bericht über die Vollendung des österlichen Geschehens durch die Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten. Das Leben ist doch nicht so einfach eingeschlossen, zeigt sich hier. Die beengenden, einschnürenden Erfahrungen, die ich mit mir und anderen mache, haben nicht das letzte Wort. Das letzte Wort hat nicht einmal der Tod. „Der Geist Gottes ist ausgegossen über alles Fleisch", hat der Prophet Joel vorhergesagt. ,,Fleisch" meint den Menschen gerade in seiner körperlichen seelischen und geistigen Verfallenheit an den Tod. Die Bibel spricht darum vom göttlichen Geist der lebendig macht, immer wieder so, dass dieser Heilige Geist den Menschen ganz konkret sucht in seiner ,,Fleisches-Kiste", um ihn zu befreien. GOTT sperrt nicht ein, wie es in so mancher Beziehungskiste sein kann. Sein Geist ist der Geist der Freiheit, der Freude, des Friedens, der Liebe. Wir sind nicht nur Menschenkinder, wir haben die Würde von Gotteskindern. Das bezeugt der Heilige Geist, der ausgegossen ist in unsere Herzen. Darum lasst uns immer wieder aufs Neue rufen und bitten, wie es die Kirche von Anfang an getan hat: Komm Heiliger Geist! So segne Euch der auferstandene HERR in der Kraft seines Geistes, damit Ihr ein Segen sein könnt an Eurem Platz! Ich grüße Euch aus der österlichen Freude und Zuversicht, Euer Bruder Siegbert Einleitung zur Regel des OFS „Unter den geistlichen Gemeinschaften, die vom Heiligen Geist in der Kirche erweckt worden sind, vereint die franziskanische Familie alle jene Glieder des Volkes Gottes, Laien, Ordensleute und Priester: die sich zur Nachfolge Christi in den Fußspuren des heiligen Franz von Assisi berufen wissen.“
Das Pfingstereignis, Glasfenster Kirche von Rivotorto bei Assisi Foto: © Raymund Fobes