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Ich lebe, und auch ihr sollt leben

Impuls zu Ostern 2015 von Br. Siegbert Mayer OFMcap

Die Pflegedienstleitung eines Altenheims erzählt: In einem Zweibettzimmer war die eine der beiden hochbetagten Bewohnerinnen gestorben. Wenige Tage später hörte man früh morgens die andere Dame dieses Zimmers laut schreien - nicht klagend, sondern einfach ein lautes Schreien. Eine Mitarbeiterin suchte sie eilends auf: „Was fehlt ihnen denn? Warum schreien's denn gar so laut?“ Und die Antwort: „Ich schreie so laut, damit mich alle hören. Es sollen doch alle wissen, dass ich noch lebe!“ Es ist ein „österlicher Schrei“ von dieser Frau. Denn der Auferstandene antwortet auf diesen Urschrei des Menschen mit seiner Zusicherung: „Ich lebe, und auch ihr sollt leben!“ Hinter dem Schrei jener Frau steht der legitime Anspruch auf einen Platz in der Gesellschaft, auf einen Lebensraum und auch die leidenschaftliche Sorge, man möge mich doch bitte nicht vergessen; ihr sollt noch mit mir rechnen. Hinter diesem Schrei, den wir – wenn wir einmal aufmerksam geworden sind – in vielfachen Variationen hören können, steckt die Ursehnsucht nach Unsterblichkeit. Doch die Auferstehung JESU steht – das mag vielleicht zunächst verwundern – in einem äußersten Kontrast zum menschlichen Wunsch nach Unsterblichkeit. Die Auferstehung Jesu erfüllt jedenfalls nicht kurzsichtig das Bedürfnis nach unendlichem Leben. Zu deutlich ist da einer mit diesem Bedürfnis gescheitert und kurz vor dem Ostersabbat noch geschwind in ein Grab gelegt worden. Es war nicht irgendeiner, sondern jener, an dessen Kreuz, an dem er sterbend hing, sie lästernd vorbeigezogen waren: „Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.“ Nein, Auferstehung vom Tod kann sich keiner besorgen, erwerben, nicht durch gute Werke herbeiführen. Auferstehung steht in äußerstem Kontrast zum Anspruch, wir könnten selbst über das Leben verfügen. Nur das freie, schöpferische Handeln GOTTES und keine menschlichen Wünsche und Verdienste bringen neues Leben hervor. Keine menschliche Logik führt vom Grab zum Leben. Es gibt keine physikalische Formel, kein Gesetz, aus dem sich die Auferstehung ableiten ließe. Sie ist unverfügbar wie die Liebe. Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der sich selbst als Agnostiker (einer, der das übersinnliche Sein für unerkennbar hält) bezeichnet, hat dies erkannt. „Unzählige Menschen, sagt er, haben den gleichen Tod, ja oft auch unsäglich grausamere Tode erlitten, als der gekreuzigte JESUS. Das Anstößige, das Skandalöse ist aber für den heute täglich mit Bildern des Grauens belieferten Medienkonsumenten nicht das Kreuz, sondern die Auferstehung: Es gibt ein Leben, das nicht als eigener Macht und Mache kommt, nicht aus dem Zugriff selbstmächtiger Verfügung über die biologischen Gesetzmäßigkeiten des Lebens, nicht als Produkt der Evolution draußen in der Natur oder drinnen im Labor, sondern als Geschenk der Liebe GOTTES. Nur als solches ist das Leben unsterblich. So lautet unser Glaubensbekenntnis nicht: Ich glaube an die Unsterblichkeit, sondem ich glaube an die Auferstehung der Toten; ich glaube an GOTTES Ruf zum endgültigen Leben, heißt das. Und deshalb glaube ich auch an das ewige Leben, an das Leben, das GOTTES schöpferischer Liebe entspringt und deshalb unzerstörbar ist. Ostern verkehrt ein sonderbares deutsches Wort ins absolute Gegenteil: Wenn wir etwas als absolut ullmstößlich beschreiben wollen, sagen wir: „Das ist todsicher.“ So hat es Pilatus nach dem Tod JESU verstanden: Sein Grab ist versiegelt, die Geschichte des Nazareners abgehakt, basta! Doch durch die Auferstehung JESU ist das Leben „todsicher“. Auf „GOTT“ reimt sich paradoxer Weise eben nicht „Tod“, sondern „LEBEN“. Und darum kann uns JESUS, derAuferstandene, zurufen: Ich lebe, und auch ihr sollt leben! Mein Gruß sei der österliche Segen: Guter Gott, durch deine Liebe ist uns Christi Kreuz zum Segen geworden. Segne uns mit dem Kreuz des Lebens. Segne uns mit der Freude des Glaubens. Segne uns mit der Verheißung des ewigen Lebens. (aus dem Stundengebet TE DEUM für der Ostersonntag) Euer Bruder Siegbert
Bild: © Raymund Fobes