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So sehr hat Gott die Welt geliebt (Joh 3, 16) Osterimpuls von Br. Siegbert Mayer OFMcap Das Leid schreit oft zum Himmel. Aber es schreit auch gegen den Himmel. Es klagt den Schöpfer an. Es wird zur Gottesfrage. Die Frage des Leids kann sich zum Protest des Menschen zuspitzen, wie dies der französische Dichter Albert Camus in seinem Roman „Die Pest“ tut: „Ich werde bis in den Tod hinein mich weigern die Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden.“ Gott ist vielen Menschen zur Frage geworden, angefangen von der Gottesnot des auserwählten Volkes Israel, eines Ijob, des Propheten Jeremia bis zur Gottesnot eines Aidskranken, eines Krebskranken unserer Tage. Am Ende aller Zeiten – so weiss es eine Legende – hatten sich Milliarden von Menschen auf einer großen Ebene vor Gottes Thron versammelt, um sein Gericht zu erwarten. Einige Gruppen in den vorderen Reihen waren in eine erhitzte Diskussion verwickelt: „Wie kann Gott es wegen, über uns zu richten?! – Was weiß der schon, was menschliches Leid bedeutet?“ rief eine Frau und schob dabei einen Armel zurück sodass auf ihrem Arm eine eintätowierte Nummer eines KZs sichtbar wurde. „Wir mussten Terror, Schläge, Qual und Tod erdulden." In einer anderen Gruppe schob ein Mann mit schwarzer Hautfarbe seinen Kragen herunter: „,Was haltet ihr davon?“,  fragte er, als eine hässliche Spur an seinem Hals sichtbar wurde, die von einem Seil herrührte. „Wir wurden gelyncht aus keinem anderen Grund als dem, dass wir schwarz sind. Wir sind in Sklavenschiffen erstickt, von unseren Familien getrennt, sind gequält worden bis uns der Tod befreit hat." Über diese ganze Ebene hinweg gab es Hunderte dieser Gruppen. Jede hatte eine Klage vorzubringen gegen GOTT, der dieses Unrecht und solche Leiden in der Welt zugelassen hatte. Was wusste GOTT in seinem schönen Himmel überhaupt davon, was der Mensch auf dieser Erde zu ertragen hat? – „Und der will uns richten?!" Und sie wählten aus jeder Gruppe einen aus, der am meisten gelitten hatte:  einen Juden, einen mit schwarzer Hautfarbe, einen Unberührbaren aus Indien, ein Kind, das im Bombenhagel von Syrien alle Angehörigen verloren hatte, einen nuklear verseuchten Menschen aus Hiroshima, einen aus einem sibirischen Straflager, einen Bootsflüchtling, der in letzter Minute aus dem Mittelmeer gerettet wurde ... Sie alle kamen zusammen und fassten den Beschluss: „Bevor Gott sich qualifiziert haben würde, ihr Richter zu sein, musste er erst das erdulden, was sie erduldeten“. Ihr Beschluss lautete: Gott wird verurteilt, auf Erden zu leben – als Mensch. Und zwar sollte er als Jude geboren werden. die Legitimität seiner Geburt sollte angezweifelt werden, damit keiner wüsste, wer wirklich sein Vater sei. Er sollte solch einen gerechten, aber radikalen Kurs verfolgen, dass er den Hass, die Verdammung jeder großen, etablierten Macht gegen sich aufbringen werde. Er sollte versuchen müssen, mit schwachen Menschenworten, dem Menschen Gott verständlich zu machen. Er sollte von seinem engsten Freund verraten werden. Er sollte von Geschworenen, die Vorurteile hatten, verhört und von einem feigen Richter verurteilt werden. Er sollte erleben, was es heißt, total allein und von aller Kreatur verlassen zu sein. Er sollte gequält werden und sterben. Er sollte den demütigsten Tod erleiden - am Galgen, in Gesellschaft von Kriminellen. Während die Sprecher ihren Teil des Urteils vortrugen, erhob sich jeweils zustimmendes Gemurmel aus der großen Menschenmenge. Aber als das Urteil zu Ende gesprochen war, wurde Totenstille. Plötzlich wussten sie alle: GOTT hat dieses Urteil schon vollzogen! Und alle hörten die Worte aus dem Johannesevangelium, die nie mehr in dieser Weltgeschichte überboten werden: „GOTT hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaulq nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Dean GOTT hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird". (Joh. 3,16-17) In diesem Wort GOTTES, das in JESUS CHRISTUS Fleisch geworden ist, wird GOTTES Solidarität mit dem Menschen in seiner ganzen Existenznot garantiert. In der Passion, dem Leiden Jesu bis zum Tod am Kreuz, zeigt uns GOTT seine Solidarität mit aller menschlichen Not. Doch diese Solidarität Gottes will auch uns durchlässig machen für die Not des Nächsten und des Fernsten. Sonst können wir zu diesem GOTT nicht „unser Vater“ sagen und nicht um ,,unser tägliches Brot gib uns heute“ beten. Die Solidarität Gottes hat uns JESUS zu unserem Menschbruder gemacht. Er weiß um unser Leben, um unsere frohen und glücklichen Stunden wie um unsere schweren und verzweifelten. Er hat all das selber erlebt und durchlitten. Deshalb kann er Mitleid mit uns haben. Er lässt uns seine Erlöserliebe verkosten, so wie es das nebenstehende Bild von Jesus Christus und Franziskus von Assisi im wortlosen Beieinander zeigt: JESUS neigt sich über dem knienden Franziskus, umfängt ihn mit seiner Rechten, zieht ihn an sich, an sein Herz. Auch wenn dies eine Kreuzesdarstellung ist: Es ist wie damals, als JESUS, der Auferstandene, seine Jünger zur Gewissheit und Freude des Glaubens führte: ,,Ich lebe und auch ihr sollt leben!" CHRISTUS zeigt uns an Franziskus von Assisi wie beglückend sich die Verheißung erfüllt: „So sehr hat GOTT die Welt  geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeden der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat." Aus dieser österlichen Zuversicht grüße ich Euch herzlich und empfehle Euch der Fürbitte der Gottesmutter und des heiligen Bruders Konrad Euer Bruder Siegbert
Franziskus umarmt den Gekreuzigten. Statue bei bei der Grabstätte der Franziskaner in Ingolstadt               Foto: © Raymund Fobes
Kreuz in in den rekonstruierten Unterkünften der Brüder in Rivotorto bei Assisi (Bild:  Raymund Fobes)