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Die letzte, die wirkliche Wahrheit ist schön –

ihr zu begegnen macht den Menschen gut

Impuls zu Weihnachten 2014 von Br. Siegbert Mayer OFMcap

„Worte gehen kaputt und landen auf dem Schutt;

sie sind nur Lärm und nur Geräusch,

wenn niemand sich und all sein Eigenes in die Waage wirft,

in die Waage wirft.“

Diese Liedstrophe eines Jugendtreffens singt von einem Vorgang, den wir nur allzu häufig im täglichen Sprechen bemerken: Worte werden hohl, besagen nichts, sind entwertet ,wenn der, von dem sie kommen, sich nicht hinter sie stellt; wenn er sie nicht ausfüllt, wenn er sie nicht mit dem Gewicht seines eigenen Lebens wichtig macht. Am Weihnachtstag hören wir jedes Jahr den Hymnus vom Wort, mit dem Johannes sein Evangelium eröffnet. Zunächst ist da von dem uns Vertrauten, Liebenswerten, der Geburt Jesu Christi im Stall von Bstlehem, nicht die Rede, alles scheint hier in die fremde Größe des Geheimnisses entrückt. Unser urchristliches Lied besingt ein Wort, das von Anfang an in Gott erklingt, das mit Gott gefüllt ist, das mit Gott gleichzustellen ist: die Schöpfung und ihre Geschichte durch die Milliarden der Jahre. Ja, dass Gott dieses Wort spricht, das bedeutet erst Leben, bewirkt Leben, lässt werden und entstehen. Weil es dieses Wort in Gott gibt, darum gibt es menschliches Leben. Die Herkunft des Menschen hat ihren Anfang in Gott. Der Mensch verdankt sein Leben dem Leben Gottes. Sein Wort ist Lebenslicht und Lebensfunke auch des Menschen in der Zeit. Aber der Mensch ist Finsternis und will davon nichts wissen. Er gehört Gott und verleugnet es dennoch. Darum nimmt das Wort Fleisch an, um in der Mitte der Menschen zu bezeugen, dass alles Gnade ist und Geschenk. Gott hat in dieses Wort hinein all sein Eigenes, seine Güte und Menschenfreundlichkeit, sein Erbarmen und seine Liebe gegeben. Er hat sich selbst in die Waage geworfen mit dem ganzen Gewicht seiner Zusage zu uns. Er hat sich mit dem Menschen wirklich so untrennbar vereinigt, dass dieser Mensch wirklich Gott von Gott, Licht vom Lichte ist und wahrer Mensch bleibt. Der ewige Sinn der Welt ist so wirklich zu uns gekommen, dass man ihn anrühren, anschauen kann. Denn was Johannes „das Wort“ nennt, heißt im Urtext Logos, und das bedeutet im Griechischen gleichzeitig auch soviel wie: der Sinn. Insofern könnten wir durchaus auch übersetzen: Der Sinn ist Fleisch geworden. Aber dieser Sinn ist nicht bloß eine allgemeine ldee, die in der Welt drinnen steckt. Dieser Sinn ist uns zugewandt. Dieser Sinn ist ein Wort, eine Anrede an uns. Er kennt uns, er ruft uns, er führt uns. Er ist jedem ganz persönlich zugedacht. Er ist selbst Person: JESUS CHRISTUS, der Sohn des lebendigen Gottes, der im Stall zu Betlshem geboren wurde. Vielen Menschen, irgendwie uns allen, erscheint das zu schön, um wahr zu sein. Hier wird uns gesagt: Ja, es gibt einen Sinn. Und dieser Sinn ist nicht bloß ein ohnmächtiges Aufbegehren gegen das Sinnlose. Der Sinn hat Macht. Er ist Gott. Und Gott ist gut. Gott ist nicht irgendein fernes, höchstes Wesen, an das man nie herankommt. Er ist ganz nah, in Rufweite, immer zu erreichen. Er hat Zeit für mich, so viel Zeit, dass er als Mensch in der Krippe lag und dreißig Jahre eine ganz und gar verborgene Alltäglichkeit mit allem Gewöhnlichen, das auch wir kennen, gelebt hat und auch die Ausweglosigkeiten unseres Menschseins kennt bis ins Sterben hinein, und auf ewig Mensch bleibt, weil er in seiner Auferstehung und Himmelfahrt dieses Menschsein nicht als Abfallprodukt auf dieser Erde zurückgelassen, sondern in die letzte Vollendung hinein gerettet hat. Immer wieder fragen wir: Kann das sein? Passt das überhaupt zu Gott, ein Kind zu sein? Wir wollen nicht glauben, dass die Wahrheit schön ist; nach unserer Erfahrung ist Wahrheit am Schluss meistens grausam und schmutzig. Wenn wir in unsersm Sprachgebrauch die Wendung gebrauchen: „Das ist leider die Wahrheit!“ dann erwarten wir nichts Gutes, nichts Schönes. Behauptet nicht vielfach auch die Kunst heute, sie sei der Wahrheit verpflichtet, der Wahrheit zugewandt. Was dann herauskommt, zeigt oft wenig ein Leuchten der Wahrheit, als vielmehr, dass die Wahrheit schmutzig, dass der Schmutz die Wahrheit ist. Hier wird in der Tat die wahrhaft tragische Wahrheit deutlich: Wenn es Gott nicht gibt, dann bleibt kein Licht, nur schmutzige Erde. Und ein zweites deutet sich hier an: Gott hat der Geschichte der Menschen durch sein fleischgewordenes Wort einen nicht mehr zu entfemenden Stempel aufgeprägt. Aber immer wieder wollen die Menschen daran herum radieren, wollen ihn unkenntlich machen. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf“, so muss es unser Hymnus feststellen. Hier wird der tiefste Grund spürbar, warum so viele Menschen das Siegel des lebendigen Gottes, ohne das kein Mensch über diese Erde geht, weil Gott selbst Mensch wurde, loshaben wollen: Sie wollen nicht mehr sein Eigentum, Gottes Eigentum sein, sondern bloß noch sich selbst gehören. So kann der Mensch in seinem Hochmut Gott nicht mehr sehen; er fühlt sich von Gott nur entweder bedroht oder gelangweilt. Gott kam als Kind, um unseren Hochmut zu brechen. Vielleicht hätten wir sogar vor der Macht, vor der Weisheit eher kapituliert. Aber er will nicht unsere Kapitulation, sondern unsere Liebe. „Lasst uns lieben das Kindlein von Betlehem!“ ruft uns der heilige Franziskus zu durch jene unvergessliche Feier der Heiligen Nacht 1223 bei dem Dorf Greccio. Das Kind, das in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und auf Heu gebettet wurde, wollte er so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen und allen zeigen. Damit sie begreifen: Dieses Kind, das doch GOTTES EWIGER SOHN ist, ist keine lllusion, kein Trugbild, das ist die Wahrheit - die letzte, die wirkliche - und die ist schön und gut. Ihr zu begegnen, macht den Menschen gut. lch wünsche Euch (ganz im wörtlichen Sinn) eine be-schauliche Weihnacht.Dass lhr mit dem Augen des Herzens wieder schaut, wie groß die Liebe GOTTES zu uns Menschen ist, und dass dieses Schauen dürfen Euch durch das Jahr 2015 begleite. Euer Bruder Siegbert (Wesentliche Gedanken zu diesem Artikel verdanke ich einer Weihnachtspredigt von Kardinal Josef Ratzinger, damals Erzbischof von München-Freising)
Maria mit Jesuskind, Fresko in der Kapelle Murorupto, Assisi (Foto: Raymund Fobes)