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MEIN GOTT- MEIN ALLES“  Gedanken von Br. Siegbert Mayer OFMCap  Die„Carceri“ die franziskanische Einsiedelei, oberhalb von Assisi am Monte Subasio, liegt etwa 800 m über Meereshöhe. Carceri heißt wörtlich „Gefängnisse“. Doch geht es hier nicht um ein Eingesperrtsein von Übeltätern, sondern um einen Rückzugsort in freiwilliger Stille und Einsamkeit. Carceri – Ort der Stille, aus der GOTT spricht. Der Biograph Thomas von Celano sagt: „Franziskus wählte häufig einsame Orte, um seinen Sinn ganz auf GOTT richten zu können.“ Hier waren und sind ein paar kleine Kapellen, in den Felsen gehauene Grotten und einfache Unterschlupfe, die sich die ersten Brüder zurechtgemacht hatten. Franziskus zog sich hierher nach seinen Wanderungen und Predigten zurück. Wer Franziskus und die konsequente Art, mit der er seinen Weg ging, betrachtet, wird fragen: Woher hat dieser Mann seine Kraft geholt, aus welchen Quellen schöpfte er? Es waren in erster Linie die Worte des Evangeliums, von denen er sich hautnah betreffen ließ, und die ihm und dann auch seinen Brüdern und dann Klara und ihren Schwestern und dann auch den Schwestern und Brüdern des Dritten Ordens mitten in der Weit zur „Lebensregel“ geworden sind. In seinem Testament benennt er es so: Der HERR hat es mir offenbart: Wir sollen nach der Weise des heiligen Evangeliums leben.“ Aber Franziskus spürt bei all seinem missionarischen Unterwegssein immer wieder die Notwendigkeit und auch das Bedürfnis, sich in die Stille und Einsamkeit zurückzuziehen. So wie es auch von Jesus berichtet wird, dass er den Rückzug in Stille und Gebet gebraucht hat. Aus der Stille erwächst Kraft. Das ist die Botschaft der Carceri — auch an uns. Die Carceri oberhalb von Assisi können nur ganz wenige von uns besuchen und dort verweilen. Aber die Carceri des Alltags gibt es überall, wo sehr viele von uns gleichsam „eingesperrt“ sind durch ihr hohes Lebensalter, durch körperliche Einschränkungen in Altersgebrechen, bis hin zu Krankheit und Pflegebedürftigkeit. Doch auch die fittesten Menschen müssen ihre Begrenztheiten annehmen und tun gut daran, sich hin und wieder mit der Einkehr in ein „Carceri“ zu beschenken. Als Jesus einmal von seinem Rückzug ins Gebet zu den Jüngern zurückkam, da bat ihn einer spontan – wohl aus dem Bedürfnis, auch so Kraft schöpfen zu können, wie sich das offensichtlich bei JESUS zeigte : Herr, lehre uns beten! Und JESUS lehrte sie das Vaterunser zu beten. ER sagte ihnen, wenn ihr so betet, dann geht es nicht in erster Linie darum, dass ihr GOTT euren Gebetsdiehst erweist, sondern GOTT bringt euch zur Kenntnis, was ER für ein GOTT ist: ER ist euer Abba, Vater, der für euch verantwortlich zeichnet, für euch zuständig ist und bleibt im Leben und im Sterben. Jede und jeder ist einen GOTT wert! Trotz und gerade in meiner Schwäche und Begrenztheit und mit Fehlern und Schuld bin ich dennoch würdig vor GOTT, würdig seine Liebe zu empfangen. Man hat Franziskus schon mal den Heiligen des Vaterunser genannt, weil er von diesem Gebet ganz durchdrungen und geformt war. Er hat es auch auf eigene Weise erweitert und erklärt. im Beten des Heiligen tritt gegen Ende seines Lebens der Mensch immer mehr vor GOTT zurück. In seinem „Lobpreis des Allerhöchsten“, den er unmittelbar, nachdem ihm die Wundmale Christi auf dem Berg La Verna eingeprägt worden waren, niedergeschrieben hat, kommt kein einziges Ich vor. Es fehlt sogar jede Form der Bitte. Hier spricht nur der Lobpreis. GOTT ist die Mitte‘ ER soll gepriesen werden in GOTTES Liebe und Gnade
Einsiedelei Carceri Foto: © Raymund Fobes