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Barmherzigkeit im Zentrum Einkehrtag des OFS der Diözesen Augsburg, Eichstätt und München-Freising in Augsburg
Am 4. Juni 2016 fand im Kloster Maria Stern in Augsburg der Diözesantag der Franziskanischen Gemeinschaft (OFS)  aus den Diözesen Augsburg, Eichstätt und – erstmals – München-Freising statt. Referent war P. Siegbert Mayer OFMcap, der zum Thema „Barmherzigkeit“ sprach. Dabei orientierte er sich am Gleichnis vom Barmherzigen  Samariter aus dem Lukasevangelium. Br. Siegbert betrachtete das Gleichnis aus den unterschiedlichen Perspektiven der Personen, die in ihm vorkommen. So lenkte er zunächst den Blick auf die Räuber, die den Reisenden ausgeraubt hatten, und erinnerte an das Zusammentreffen des heiligen Franziskus mit den „Brüdern Räubern“. So hatten Räuber bei den Brüdern angeklopft, und um Brot gebeten. Zunächst wurde ihnen das verweigert, doch Franziskus  gewährte ihnen Gastfreundschaft. Am Ende sind die „Brüder Räuber“ dann den Franziskanern beigetreten. Sodann ging Br. Siegbert auf den Überfallenen ein und warb um Verständnis dafür, dass Menschen, die schwer  misshandelt worden sind, oft nicht fähig sind, zu vergeben und zu verzeihen. Die Forderung der Kirche „Du musst vergeben“  kann Betroffene, oft nicht erreichen, denn so ein Verletztsein lässt sich nicht einfach auslöschen. Die Haltung des Priesters und des Leviten, die den Verletzten links liegen ließen, wertete  Br. Siegbert auch nicht nur negativ. Waren sie nicht vielleicht überfordert durch die eigene Angst?, fragte er. Auch die im Grunde selbstverständlich  beispielhafte und fraglos durch und durch christliche Haltung des barmherzigen Samariters, der beeindruckend Hilfe leistete, hinterfragte Br. Siegbert: Müsste man sich nicht, um wirklich zu helfen, vorsorglich mit dem Räubernest befassen, damit Wanderer auch künftig sicher über die Straße marschieren können. Zum Schluss stellte Br. Siegbert noch etwas Überraschendes heraus: Die Kirche steht  nicht für den barmherzigen Samariter, sondern für die Herberge, in der der Verletzte unterkommt und weiter gepflegt wird.  So ist (oder soll zumindest sein) die Kirche der Ort, wo wir gerade auch mit unseren Verletzungen Heimat finden und Linderung in unserer Not erfahren – und zwar durch Christus, der als Retter und Erlöser der Menschen das Urbild des Samariters ist. Im Anschluss an den Vortrag waren alle eingeladen, im Kleingruppengespräch die Gedanken zu vertiefen, was wieder sehr bereichernd war. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, für das die Maria-Stern- Schwestern gesorgt hatten, lenkte die Diözesansprecherin des OFS in der Diözese Eichstätt Christine Zimmermann in einer besonderen Form der Bibelarbeit den Blick auf das alttestamentliche Buch Rut, das vom Auswandern einer israelitischen Familie nach Moab berichtet und über die spätere Rückkehr nach dem Tod der Söhne mit der Schwiegertochter Rut, die nun als Fremde in Israel lebt. Um den Sorgen und auch Konflikten der handelnden Personen besonders gut nachzuspüren, waren alle eingeladen, sich persönlich mit diesen zu identifizieren und konnten so gut in das biblische Geschehen eintauchen.Den Abschluss bildete die heilige Messe in der Klosterkirche von Maria Stern mit P. Siegbert. Ihm und allen, die diesen Tag vorbereitet und gestaltet haben wie auch den Schwestern von Maria Stern für ihre freundliche Aufnahme gilt ein herzliche „Vergelts Gott“, verbunden mit dem franziskanischen Wunsch „pace é bene“. Text und Bilder: © Diakon Raymund Fobes OFS